Atmen ist mehr als Luft holen

Das Erste, was der Mensch zu lernen hat, ist Atmen.

Die Atmung steht am Anfang und am Ende des Lebens.

Mit dem ersten Atemzug erblicken wir das Licht der Welt,

mit dem letzten hauchen wir das Leben aus. Gautama Buddha

                                                                                                                       

die Atmung beeinflusst Körper und Nervensystem.


Warum hat die Nasenatmung einige Vorteile?

  • Verbesserte Sauerstoffversorgung: Die Nasenatmung unterstützt eine effiziente Atmung und trägt dazu bei, dass Sauerstoff optimal aufgenommen und im Körper genutzt werden kann.
  • Reinigung, Erwärmung und Befeuchtung der Atemluft: Die Nase filtert Staub, Pollen und andere Partikel aus der Luft. Gleichzeitig wird die Atemluft erwärmt und befeuchtet, bevor sie die Lunge erreicht.
  • Unterstützung des natürlichen Kohlendioxid-Gleichgewichts: Eine ruhige Nasenatmung kann dazu beitragen, den Kohlendioxidgehalt im Blut im physiologischen Bereich zu halten. Kohlendioxid spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei der Sauerstoffabgabe an das Gewebe (Bohr-Effekt).
  • Unterstützung von Ruhe und Entspannung :Bewusstes Atmen durch die Nase kann den Parasympathikus – den Ruhe- und Regenerationsnerv – aktivieren und so zu mehr Gelassenheit beitragen.
  • Unterstützung der natürlichen Abwehrfunktionen: Die Nasenschleimhaut bildet einen wichtigen Bestandteil der körpereigenen Schutzmechanismen. Sie hilft dabei, eingeatmete Partikel und Krankheitserreger abzufangen.
  • Förderung eines erholsamen Schlafs: Eine ruhige und gleichmäßige Nasenatmung kann dazu beitragen, leichter zur Ruhe zu kommen und einen erholsamen Schlaf zu unterstützen.


Kann Mundatmung Nachteile haben?

  • Verändertes Atemmuster:
  • Eine überwiegende Mundatmung kann das natürliche Atemverhalten beeinflussen. Die Nase übernimmt wichtige Funktionen bei der Aufbereitung der Atemluft und unterstützt eine ruhige und bewusste Atmung.
  • Austrocknung der Schleimhäute: Beim Atmen durch den Mund werden die Schleimhäute weniger befeuchtet. Dies kann zu einem trockenen Mund, einem trockenen Hals oder einem unangenehmen Gefühl im Atembereich führen.
  • Einfluss auf Ruhe und Entspannung: Eine dauerhaft unbewusste oder verstärkte Mundatmung kann mit einem erhöhten Anspannungsgefühl verbunden sein. Eine ruhige Nasenatmung kann hingegen helfen, bewusster zu atmen und mehr Entspannung in den Alltag zu bringen.
  • Veränderte Schutzfunktion der Atemwege: Die Nase filtert, erwärmt und befeuchtet die eingeatmete Luft. Bei häufiger Mundatmung entfällt diese natürliche Aufbereitung teilweise, wodurch die Schleimhäute stärker beansprucht werden können.
  • Einfluss auf bestehende Atembeschwerden: Bei Menschen mit empfindlichen Atemwegen, Allergien oder Asthma kann die Art der Atmung einen Einfluss auf das persönliche Empfinden und die Beschwerden haben.
  • Mundatmung und Schnarchen: Mundatmung kann mit Schnarchen in Verbindung stehen. Wenn sich die Muskulatur im Rachen während des Schlafs entspannt, können Verengungen entstehen, die zu Schwingungen des Gewebes und damit zu Schnarchgeräuschen führen können.


Optimale Atmung im Ruhezustand

Im Ruhezustand ist es optimal, alle zehn Sekunden einen Atemzug zu nehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, können Sie folgende Atemübung ausprobieren: Atmen Sie für vier Sekunden durch die Nase ein und für sechs Sekunden wieder aus. Wichtig ist, dass Sie dabei entspannt bleiben und nicht zu ehrgeizig atmen. Wenn es Ihnen schwerfällt, durch die Nase auszuatmen, können Sie auch durch den Mund ausatmen und dabei die Lippenbremse verwenden.

Zeichnung Nase und Mund
Lippenbremse

 

Die Lippenbremse ist eine Atemtechnik, bei der man die Lippen halb

geöffnet hält und den Luftstrom beim Ausatmen so reguliert, dass ein

leises, rauschendes Geräusch entsteht.


Was für Auswirkungen kann Brustatmung haben?

Brustatmung und mögliche Auswirkungen

 

Wenn wir überwiegend oder ausschließlich im oberen Brustbereich atmen, kann dies unser Atemmuster beeinflussen. Eine ruhige und natürliche Atmung bezieht normalerweise verschiedene Bereiche des Atemsystems mit ein – insbesondere auch das Zwerchfell.

Frau hält sich die Hand auf den Oberkörper
Brustatmung
  • Flachere Atmung: Eine überwiegende Brustatmung kann dazu führen, dass die Atmung weniger tief und weniger entspannt erlebt wird. Manche Menschen haben dadurch das Gefühl, nicht richtig durchatmen zu können.
  • Mehr Anspannung im Schulter- und Nackenbereich: Bei der Brustatmung werden häufig die Atemhilfsmuskeln im Bereich von Brust, Schultern und Nacken stärker beansprucht. Dies kann Verspannungen begünstigen.
  • Beeinflussung des Atemrhythmus: Ein dauerhaft angespanntes Atemmuster kann mit einer erhöhten Atemfrequenz verbunden sein. Eine zu schnelle oder intensive Atmung kann das natürliche Gleichgewicht von Sauerstoff und Kohlendioxid beeinflussen.
  • Weniger Ruhe und Entspannung: Eine unbewusste, hektische oder flache Atmung kann mit innerer Unruhe und Anspannung verbunden sein. Eine bewusste und ruhige Atmung kann dabei unterstützen, wieder mehr Entspannung in den Körper zu bringen.
  • Bewusstes Atemtraining als Unterstützung: Mit gezielten Atemübungen können Sie lernen, Ihre Atmung besser wahrzunehmen und wieder einen ruhigeren, bewussteren Atemrhythmus zu entwickeln.


Bauchatmung (Zwerchfellatmung)

Zwerchfellatmung – bewusst entspannter atmen

 

Eine ruhige Atmung, bei der das Zwerchfell aktiv beteiligt ist, kann viele positive Effekte auf Körper und Wohlbefinden haben.

Hand liegt auf den Bauch
Bauchatmung
  • Unterstützung einer effizienten Atmung: Bei der Zwerchfellatmung wird der wichtigste Atemmuskel – das Zwerchfell – aktiv genutzt. Dadurch kann eine ruhigere und bewusstere Atmung unterstützt werden.
  • Förderung von Ruhe und Entspannung: Eine langsame und bewusste Atmung kann den Parasympathikus aktivieren – den Teil des vegetativen Nervensystems, der für Erholung und Regeneration zuständig
  • Unterstützung bei Stress und innerer Anspannung:
  • Eine ruhige Atmung kann dabei helfen, den Körper aus einem Zustand erhöhter Anspannung wieder mehr in Richtung Entspannung zu begleiten.
  • Positive Wirkung auf Körperwahrnehmung und Wohlbefinden: Durch bewusstes Atmen entsteht eine bessere Verbindung zwischen Körperwahrnehmung, Gedanken und Gefühlen. Dies kann helfen, mehr Ruhe und Ausgeglichenheit im Alltag zu entwickeln.
  • Unterstützung der natürlichen Körperfunktionen: Die Bewegung des Zwerchfells beim Atmen wirkt wie eine sanfte Massage für den Bauchraum und kann die natürlichen Bewegungsabläufe im Körper unterstützen.
  • Förderung eines erholsamen Schlafs: Eine ruhige Zwerchfellatmung kann dabei helfen, vor dem Einschlafen zur Ruhe zu kommen und ein entspanntes Atemmuster zu entwickeln.

 



Wer war Dr. Konstantin P. Buteyko?

Buteyko-Methode-Atemtraining
Dr. Konstantin Buteyko

Der russische Arzt Dr. Konstantin P. Buteyko (1923–2003) beschäftigte sich intensiv mit dem Zusammenhang zwischen Atmung, Gesundheit und Wohlbefinden.

 

Während seiner medizinischen Arbeit beobachtete er, dass viele Menschen mit verschiedenen Beschwerden ein verändertes Atemmuster aufwiesen. Beispielsweise eine häufige oder verstärkte Atmung. Daraus entwickelte er die Idee, die Atmung bewusster wahrzunehmen und wieder zu regulieren.

 

Ein zentraler Gedanke der Buteyko-Methode ist, dass eine ruhigere und sanftere Atmung den Umgang des Körpers mit Kohlendioxid beeinflussen kann. Dabei spielen auch Zusammenhänge wie der Bohr-Effekt eine Rolle.

 

Die Buteyko-Atemübungen werden heute vor allem genutzt, um die eigene Atmung bewusster wahrzunehmen und ein ruhigeres Atemmuster zu entwickeln.



was passiert, wenn die Atmung aus dem Gleichgewicht gerät

Bei einer chronischen Hyperventilation atmet ein Mensch über längere Zeit häufiger oder intensiver, als der Körper es benötigt.

Dadurch kann zu viel Kohlendioxid abgeatmet werden, was das natürliche Gleichgewicht im Körper beeinflussen kann.

 

Mögliche Beschwerden können sein:

 

• Schwindel und Benommenheit

• Müdigkeit und Erschöpfung

• Kopfschmerzen

• Herzklopfen oder ein Engegefühl im Brustbereich

• Muskelverspannungen

• innere Unruhe und verstärktes Angstgefühl


Der Bohr-Effekt

Der Bohr-Effekt wurde nach dem dänischen Physiologen Christian Bohr benannt, der ihn 1904 beschrieb.

 

Er erklärt den Zusammenhang zwischen Kohlendioxid (CO₂), Blut und Sauerstoffversorgung. Steigt der CO₂-Gehalt im Gewebe, gibt das Hämoglobin den gebundenen Sauerstoff leichter ab. Dadurch kann mehr Sauerstoff dort ankommen, wo er benötigt wird.

 

Der Bohr-Effekt zeigt: Kohlendioxid ist nicht nur ein „Abfallprodukt“ der Atmung, sondern spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation der Sauerstoffversorgung im Körper.